Dieter Motschmann
Eine kleine Geschichte Polens (1)



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Die Piasten

960 einigte Mieszko I. (962-992) die polnischen Stämme im Kerngebiet der Polanen, 966 ließ er sich taufen und führte das Christentum ein. Von 992 bis 1025, unter der Herrschaft seines Sohnes Bolesław I. Chrobry („der Tapfere“) gelang es, das jetzt erstmals Polen genannte Territorium zu erweitern. 1025 krönte sich Bolesław mit der Billigung des Papstes zum König. Bei seinem Tod im selben Jahr erstreckte sich Polen bis hinter die Karpaten, von der Oder bis zum Dnjestr.
Während der nächsten drei Jahrhunderte kam es zu einer Zersplitterung Polens in neun sich bekämpfende Fürstentümer. Bolesław III., der von 1102 bis 1138 regierte, eroberte Pommern, schlug die heidnischen Pruzzen und verteidigte Schlesien gegen Kaiser Heinrich V.
Bolesław I. Chrobry

1240 und 1241 wurde Polen beim so genannten großen Mongolensturm überrannt und verwüstet. Die Ritter des Deutschen Ordens begannen von Torun (Thorn) aus mit der Missionierung und der Kolonialisierung und holten deutsche Handwerker und Bauern in die Region. Während der Zeit der deutschen Kolonialisierung suchten viele Juden, auf der Flucht vor Verfolgungen in Westeuropa, auf polnischem Gebiet Zuflucht.

Im 14. Jahrhundert setzten Bestrebungen ein, das Land wieder zu vereinen. Nach schweren Auseinandersetzungen wurde der Herzog von Kujawien, Wladyslaw I. aus dem Geschlecht der Piasten, 1320 zum König gekrönt. Von 1305 bis 1333 schlug er den Deutschen Orden zurück, und es gelang ihm, das Königreich zu vereinen. Macht und Wohlstand in Polen stiegen in der von 1333 bis 1370 dauernden Regierungszeit seines Sohnes Kasimir III. („der Große“) enorm an. Kasimir war einer der aufgeklärtesten Herrscher der polnischen Geschichte; da er keine männlichen Erben hatte, erlosch mit ihm die Piastendynastie. Er leitete wichtige Reformen der Verwaltung, der Rechtsprechung und der Gesetzgebung ein; 1364 gründete er die Universität Krakau, eine der ersten nördlich der Alpen (nach Prag), stand den jüdischen Flüchtlingen aus Westeuropa bei und konnte dem polnischen Gebiet noch Galizien als Lehen hinzufügen. Von der Pest 1348 blieb das Land verschont, da an der Grenze eine Quarantäne eingeführt wurde.

Die Jagellonen

Diese zweite Dynastie der polnischen Könige wurde von dem Großfürsten Jagello von Litauen begründet, der 1382 Jadwiga, Königin von Polen und Großnichte Kasimirs III., heiratete. Als Wladyslaw II. Jagello bestieg er den polnischen Thron. Die Schlacht bei Tannenberg 1410 besiegten die vereinten polnischen und litauischen Truppen in der Schlacht bei Tannenberg den Deutschen Orden, und Polen stieg zu einer der Führungsmächte Europas auf. Die Personalunion mit Litauen dauerte bis 1569 an. Unter den Jagellonen, deren Herrschaft bis 1572 andauerte, erlangte Polen Macht, Wohlstand und kulturelle Bedeutung. Kasimir IV. Andreas, der von 1447 bis 1492 regierte, führte von 1454 bis 1466 einen lang währenden und letztlich erfolgreichen Krieg gegen den Deutschen Orden. Der Konflikt wurde 1466 mit dem 2. Thorner Frieden beigelegt, der Polen die Provinzen Westpreußen, Pommern und weitere Gebiete sicherte. Unter Sigismund II. August erlebte Polen eine Blüte der Literatur, Wissenschaft und Kunst.

Mit dem Tod von Sigismund II. August, dem letzten Jagellonen, 1572 entschied der polnische Adel eine schon lang andauernde Auseinandersetzung um die Herrschaft des Landes für sich: Es wurde ein Wahlkönigtum eingerichtet, und das Recht zur Wahl des Königs lag beim Sejm; der Sejm war eine Zweikammerversammlung des niederen und des Hochadels. Eine wichtige Eigenschaft dieses Systems war das liberum veto, mit dem jedes Mitglied den Sejm beschlussunfähig machen konnte.

Kriege bis zur ersten Teilung

Die aufeinander folgenden Kriege mit Schweden, Russland, den Kosaken, Brandenburg und den Türken führten zum Verlust wichtiger Gebiete und der Verwüstung weiter Teile Polens.
Stanislaus Poniatowski Mit August dem Starken begann 1697 die polnisch-sächsische Personalunion. An der Seite Russlands kämpfte dieser gegen die Schweden. Schwedische Siege zwangen den König zur Flucht; nur durch den Schutz russischer Truppen konnte er zurückkehren. Nach seinem Tod 1733 beendete sein Sohn August III. den Polnischen Thronfolgekrieg (1733-1735). Durch die Personalunion mit Sachsen wurde Polen in den Siebenjährigen Krieg hineingezogen. Nach dem Tod Augusts III. erzwang Russland 1764 die Krönung von Stanislaus II. Poniatowski, eines Günstlings der Zarin Katharina II. Er war der letzte König von Polen. Er versuchte Reformen, wie z. B. die Aufhebung des Liberum Veto, durchzusetzen, scheiterte aber an der inneren Zerrissenheit Polens und am Druck der Mächte Rußland, Preußen und Österreich.





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Letzte Änderung dieser Seite: 20.01.2006